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Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.
 
iDAF-Newsletter der Wochen 44-45 / 2011

Zitat der Wochen 44-45 / 2011

Die wahre Aufwertung der Frau ...

„Die gerechte Entlohnung für die Arbeit eines Erwachsenen, der Verantwortung für eine Familie trägt, muss dafür ausreichen, eine Familie zu gründen, angemessen zu unterhalten und die Zukunft zu sichern. Eine solche Entlohnung kann entweder durch eine sogenannte familiengerechte Bezahlung zustande kommen - das heißt durch einen dem Familienvorstand für seine Arbeit ausbezahlten Gesamtlohn [...] oder Zulagen für die Mutter, die sich ausschließlich der Familie widmet [...]. Die Erfahrung bestätigt, dass man sich für die soziale Aufwertung der mütterlichen Aufgaben einsetzen muss, für die Aufwertung der Mühen, die mit ihnen verbunden sind, und des Bedürfnisses der Kinder nach Pflege, Zuwendung und Herzlichkeit, damit sie sich zu verantwortungsbewussten, sittlich und religiös reifen und psychisch ausgeglichenen Persönlichkeiten entwickeln können. Es wird einer Gesellschaft zur Ehre gereichen, wenn sie es der Mutter ermöglicht, sich ohne Behinderung ihrer freien Entscheidung, ohne psychologische oder praktische Diskriminierung und ohne Benachteiligung gegenüber ihren Kolleginnen der Pflege und Erziehung ihrer Kinder je nach den verschiedenen Bedürfnissen des Alters zu widmen. Der notgedrungene Verzicht auf die Erfüllung dieser Aufgaben um eines außerhäuslichen Verdienstes willen ist im Hinblick auf das Wohl der Gesellschaft und der Familie unrecht, wenn er jenen vorrangigen Zielen der Mutterschaft widerspricht oder sie erschwert. [...] Die wahre Aufwertung der Frau erfordert eine Arbeitsordnung, die so strukturiert ist, dass sie diese Aufwertung nicht mit dem Aufgeben ihrer Eigenschaften bezahlen muss und zum Schaden der Familie, wo ihr als Mutter eine unersetzliche Rolle zukommt.

Papst Johannes Paul II: Laborem exercens - Enzyklika über die menschliche Arbeit zum neunzigsten Jahrestag der Enzyklika „Rerum novarum", Rom 1981, Ziffer 19. (Lohn und besondere Sozialleistungen).

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Nachricht der Wochen 44-45 / 2011

Das Glück der doppelten Vollzeiterwerbstätigkeit ist ein Märchen

Das feministische Geschichtsbild ist bestechend einfach: Von der „unterdrückten" und „abhängigen" Ehefrau und Mutter im „Patriarchat" führt der Fortschritt hin zur Gleichheit der Lebensverhältnisse von Frauen und Männern im privaten und öffentlichen Leben. Das größte Hindernis auf diesem Weg ist die traditionelle Familie mit der Mutter als Fürsorgeperson und dem Vater als Ernährer. Diese „traditionelle" Arbeitsteilung in der Familie hat einem strikt egalitären Rollenbild beiderseitig erwerbstätiger Partner zu weichen. Nach feministischer Überzeugung dient diese Form von Emanzipation dem Lebensglück der Menschen, besonders der Frauen (1).
In diesem Sinne behauptete jüngst die frühere Bundesfamilienministerin Renate Schmidt, dass vollzeiterwerbstätige Mütter die „größte Lebenszufriedenheit" hätten (2). Empirische Befunde des sozio-ökonomischen Panels zeigen indes das Gegenteil: Vollzeiterwerbstätige Mütter mit einem vollzeiterwerbstätigen Partner äußern sich unzufriedener mit ihrem Leben als Frauen in traditionellen Familien, die nicht oder nur in Teilzeit erwerbstätig sind. Spiegelbildlich dazu waren auch Väter in der „Ernährer-Rolle" zufriedener als in egalitären Familienkonstellationen. In einer „umgekehrten Rollenverteilung" mit der Partnerin als Hauptverdienerin sind Männer - mit oder ohne Kinder - dagegen unzufriedener. Vollzeiterwerbsarbeit fördert also die Lebenszufriedenheit von Männern, was für Frauen nicht in derselben Weise gilt: Auch kinderlose Frauen sind in egalitären Paarkonstellationen nicht zufriedener als Frauen im „männlichen Alleinverdiener-Modell". Gewiss ist Erwerbsarbeit wichtig - nicht nur für den materiellen Unterhalt, sondern auch für die Selbstentfaltung; im Gegensatz zu den Männern sehen aber viele Frauen eine Vollzeitbeschäftigung nicht als ihren zentralen Lebensinhalt an (3).

Diese Unterschiede in den Lebensentwürfen von Männern und Frauen lassen sich überall in Europa feststellen: Praktisch zeigen sie sich darin, dass hauptsächlich Frauen Teilzeitarbeitsangebote nutzen. Relativ selten sind solche Angebote bisher in Portugal und in den mittelosteuropäischen Ländern, während Frauen in den deutschsprachigen Ländern, Großbritannien und vor allem den Niederlanden besonders häufig in Teilzeit erwerbstätig sind (4). Je verbreiteter aber die Teilzeiterwerbstätigkeit ist, desto mehr ziehen sich egalitäre Familienmodelle zurück: Nirgendwo sonst in Europa wachsen Kinder seltener bei doppelt vollerwerbstätigen Eltern auf als in den Niederlanden (5). Besonders häufig sind Familien mit vollzeiterwerbstätigen Müttern dagegen in Portugal und Slowenien; die egalitären Verhältnisse sind hier wohl eher materiellen Zwängen als einer freien Wahl der Lebensform geschuldet. Tatsächlich präferiert in Europa nur eine Minderheit der Menschen die Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern mit (Vorschul-)Kindern; das politische Egalitäts-Ideal ist für sie weniger ein Wunsch- als ein Notmodell (6).
Die ökonomischen Verhältnisse von Familien sind deshalb für die Gleichstellungspolitik auch der zentrale Hebel, um den vermeintlichen Fortschritt zu befördern: Schon heute, so behauptet Renate Schmidt, sei das „Alleinverdiener-Familienmodell, in dem die Ehefrau maximal in einem Mini-Job hinzuverdient", nur noch „den oberen zehn, zwanzig Prozent Spitzenverdienern möglich" (7). Die amtlichen Zahlen zeigen indes, dass mehr als 35% aller Paare mit Kindern unter 18 Jahren von einem Einkommen leben - in den allermeisten Fällen sind die Familienernährer dabei Durchschnittsverdiener. Noch häufiger sind Vollzeit-Teilzeit Kombinationen der Eltern (ca. 40%), während dem von Schmidt favorisierten egalitären Doppelvollzeitmodell weniger als 15% der Eltern folgen (8). Mit der steigenden Teilzeiterwerbstätigkeit von Müttern hat dieser Anteil im Vergleich zu den 1990er sogar abgenommen; die real existierenden Familien verfehlen also die gleichstellungspolitischen Zielvorgaben (9). Um den Eigensinn von Familien zu brechen und den Geschichtsverlauf endlich in die „richtige" Richtung zu führen, rufen Feministinnen nun nach dem Staat: Er soll die „richtigen" Anreize setzen, um zu verhindern, dass sich Frauen in der Kindererziehung „verkrümeln" und in die „Abhängigkeit" von einem Ehemann geraten (10). Konkret bedeutet das: Ernährer-Familien sollen höhere Steuern und Sozialabgaben zahlen. Nur: Diese Art Fortschritt würde teuer und dem Glück der großen Mehrheit eher abträglich sein. Von den demographischen Folgen einmal ganz abgesehen.

(1) Als aktuelles Beispiel für dieses Weltbild: Bascha Mika: Die Feigheit der Frauen Rollenfallen und Geiselmentalität. - Eine Streitschrift wider den Selbstbetrug, München 2011.
(2) Vgl: Renate Schmidt: Auslaufmodell - Alleinverdienerfamilie, S. 20-21, in: DFV-Familie 5/2011, S. 20.
(3) Berta van Schnoor/Susanne Seyda: Wie zufrieden sind Männer und Frauen mit ihrem Leben? S. 23-42, in: Roman-Herzog-Institut (Hrsg.): Wie viel Familie verträgt die moderne Gesellschaft, München 2011, S. 34-36.
(4) Vgl.: Statistisches Bundesamt: Jugend und Familie in Europa, Wiesbaden 2009, S. 50 (Ab.: 2.10).
(5) Siehe: „Erwerbsmodelle von Familien in der OECD-Welt" (Abbildung unten).
(6) Die egalitärsten Rollenbilder sind in Europa in Dänemark und Ostdeutschland anzutreffen. Selbst dort befürwortet aber nur eine Minderheit die Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern mit Vorschulkindern. Einen vollständigen Erwerbsverzicht der Mütter unterstützen besonders häufig Befragte in Mittelosteuropa, das vergleichsweise „traditionelle" Rollenbilder aufweist. Siehe hierzu: http://www.i-daf.org/177-0-Woche-23-2009.html. Es liegt daher auf der Hand, dass die Vollzeiterwerbstätigkeit von Müttern in Ländern wie Polen (siehe: „Erwerbsmodelle von Familien in der OECD-Welt" (Abbildung unten) häufig nicht den Präferenzen entspricht.
(7) Renate Schmidt: Auslaufmodell - Alleinverdienerfamilie, a. a. O.
(8) Siehe: Familien in Deutschland - nur etwa jede Zehnte folgt dem „Doppelvollzeitverdienermodell" (Abbildung unten).
(9) Siehe hierzu: http://www.i-daf.org/391-0-Wochen-21-22-2011.html.
(10) Vom „verkrümeln" und „vermausen" spricht Bascha Mika in Bezug auf Frauen, die aufgrund von Kindererziehung ihre ursprünglichen Berufspläne zurückstellen. So zuletzt bei einer Podiumsdiskussion des Deutschlandfunks am 26. Oktober in Leipzig. Zur Diskussion um „Fehlanreize" und die Besteuerung von Ehen und Familien http://www.i-daf.org/361-0-Wochen-3-4-2011.html.

 

 

 

 

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