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iDAF - Newsletter der Wochen 10-11 / 2012

 

Zitat der Wochen 10-11 / 2012

Siegeszug des Feminismus - Passivität der Männer 

Auf einem Gebiet vor allem bewirkte der Dammbruch der sechziger Jahre eine bleibende Veränderung, die tief ins Persönliche hineinwirkte. Die sexuelle Revolution und die antiautoritäre Bewegung hatten das Verhältnis zwischen Männern und Frauen dauerhaft verwandelt. [...] Ein Ergebnis der sexuellen Revolution, das auch in vielen Büchern über das Sexualleben der Frau erkennbar wurde, war die Offenherzigkeit, mit der von nun an eigene sexuelle Erfahrungen geschildert wurden, oft auf eine Weise, die man früher als krankhaft exhibitionistisch abgestempelt hätte. [...] Ebenso bemerkenswert war im Zusammenhang mit der feministischen Offensive [...] die Passivität auf männlicher Seite. Nirgendwo in Europa ließ das Vordringen der Frau eine nennenswerte antifeministische Bewegung entstehen. Zu eng waren die Ziele des Feminismus  mit dem allgemeinen Emanzipations- und Gleichheitsgedanken verknüpft, so dass auch Widerstand gegen die Frauenopposition als Ausdruck reaktionären und überholten Denkens gebrandmarkt wurde.

Hermann W. von der Dunk: Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts, Band II, München 2004 (Erstausgabe Amsterdam 2000), S. 527-528.

Anmerkung: Hermann W. von der Dunk, geboren 1926 in Bonn, seit 1937 in den Niederlanden lebend, war Professor für moderne Geschichte und Kulturgeschichte an den Universitäten Utrecht und Nijmegen.


 

Nachricht der Wochen 10-11 / 2012

Freiheitsfeindliche Frauenpolitik: Wohin die Gleichschaltung der Lebensverläufe führt

Vater Staat muss Frau ein klares Leitbild vorgeben. Dies fordert der 1. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Eine Politik, die „gleichzeitig Anreize für ganz unterschiedliche Leitbilder" setze, führe zu „Brüchen in den Lebensverläufen von Frauen, die deshalb einer „unvollendeten Baustelle mit vielen Sackgassen" glichen: Baby-Pausen, Teilzeitphasen, „Mini-Jobs" und Arbeit in Berufen mit begrenzten Aufstiegschancen (1). Dagegen müsse die Politik die Frauen auf eine „existenzsichernde, eigenständige Erwerbsarbeit über den gesamten Erwerbslebensverlauf" hin steuern (2). Der Wunsch von Müttern nach Wahlfreiheit zwischen Erwerbs- und Familienarbeit hat in diesem Gesellschaftsbild keinen Platz mehr (3).

Als Projektionsfläche ihres Wunschideals dient der Berichtskommission Skandinavien, wo „staatliche Interventionen" angeblich Geschlechtergleichheit gewährleisten (4). Bekanntlich ist dort Erwerbstätigkeit von Müttern die  Regel und die Geschlechterdifferenzen in den formalen Erwerbsquoten sind gering. Doch auch im Norden folgt die Arbeitswirklichkeit nicht dem Ideal der Geschlechtergleichheit: Nach Eurostat-Zahlen verdienen dort Frauen pro Stunde etwa 16-17% weniger als Männer. In Finnland beträgt das „Gender Pay Gap" sogar über 20% und liegt damit nicht mehr weit vom deutschen Niveau (23%) entfernt (5). Ein Teil dieser Differenzen beruht auf echter Diskriminierung: Für dieselbe Arbeit erhalten Frauen weniger Lohn. Noch wichtiger ist aber die Art der Tätigkeit: Überall in Europa - besonders auch in Skandinavien - arbeiten Frauen häufig in Pflege- und Fürsorgeberufen, die schlechter bezahlt sind als industriell-technische Jobs (6).

Einen solchen Geschlechterbias in der Berufstätigkeit gab es sogar in der DDR, wo „die vollständige Integration der Frauen in den Produktionsprozess" Staatsräson war: In der Krankenpflege und den Kindertagesstätten arbeiteten fast nur Frauen, während in Industrie und Technik die Männer dominierten. In der Planwirtschaft verdienten aber alle ähnlich schlecht, so dass die Frauen kaum weniger zum Familieneinkommen beitrugen als die Männer (7). Dafür waren Mütter fast immer in Vollzeit erwerbstätig, was westdeutsche Frauenpolitikerinnen als „Fortschritt" bewunderten. „Fortschrittlich" heißt für den amtlichen Feminismus mehr weibliche Vollzeiterwerbstätigkeit und „gleiche Lebensverläufe" der Geschlechter. Wie wenig die westdeutschen Familienverhältnisse diesem Ideal entsprechen, beklagen die Medien fast täglich. Gerne stützen sie sich dabei auf die OECD, die dafür regelmäßig die deutsche Sozialpolitik an den Pranger stellt. Noch skandalöser müssten nach OECD-Maßstäben die Lebensverhältnisse in den Niederlanden und der Schweiz sein: Nirgendwo sonst in Europa ist das „Gender Gap" in der Erwerbsbeteiligung größer (8). Dabei sind die Erwerbsquoten von Frauen ausgesprochen hoch - für Arbeitnehmerinnen ist die Teilzeitarbeit dort aber von der Ausnahme schon zur Regel geworden.

Auch in Skandinavien hat die Teilzeitarbeit von Frauen stark zugenommen - in Norwegen ist sie mittlerweile ähnlich häufig wie in Deutschland oder Großbritannien. Noch immer selten ist sie dagegen in Portugal, Griechenland und vor allem in Osteuropa. Verbunden mit der Dominanz der Vollzeitarbeit sind dort die durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten von Frauen wesentlich länger als in Mittel- und Nordeuropa (9). Mit Emanzipation hat das wenig, mit materiellen Zwängen dagegen umso mehr zu tun. Teilzeitbeschäftigung und kürzere Wochenarbeitszeiten von Frauen verweisen auf höheren Lebensstandard - im statistischen Vergleich europäischer Länder gehen sie bezeichnenderweise mit einer höheren Lebenserwartung einher (10). In wohlhabenderen Ländern können es sich Frauen eher leisten in der Berufswahl ihrer Neigung zu folgen und mehr noch ihre Erwerbsarbeitszeit einzuschränken, um sich um Kindererziehung, Altenpflege, Ehrenämter oder auch Hobbys zu kümmern (11). Wohlstand ermöglicht Wahlfreiheiten, die eben nicht zu gleichen, sondern zu unterschiedlichen Berufs- und Lebensverläufen von Männern und Frauen führen. Gegen diese Freiheit ruft der Gleichstellungsbericht nach dem starken Staat, der - nicht zuletzt durch höhere Steuern und Abgaben - die Lebensverläufe von Frauen auf sein „Mainstreaming"-Ideal hin steuern und gleichschalten soll (12).

 

(1) Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Neue Wege - gleiche Chancen Gleichstellung von Frauen und Männern im Lebensverlauf" (1. Gleichstellungsbericht), Deutscher Bundestag - 17. Wahlperiode, Drucksache 17/6240, Berlin 2011, S. 45. Zur Kritik an der unvollständigen Erwerbsintegration von Frauen vgl. insbesondere S. 109 ff. 

(2) Ebd., S. 110.

(3) Zwar scheut sich die Kommission das Ideal „Wahlfreiheit" direkt zu kritisieren, wie wenig sie mit ihm anfangen kann, zeigt aber ihre scharfe Kritik an der „Förderung von Sorgearbeit außerhalb des Erwerbslebens" durch Erziehungs- oder Betreuungsgelder. Vgl. ebd., S. 76-77.

(4) Vgl. ebd., S. 45.

(5) Vgl.: „Lebenserwartung und Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt in Europa" (Abbildung unten).

(6) Siehe hierzu: http://www.i-daf.org/369-0-Wochen-7-8-2011.html.

(7) Der Anteil des Nettoeinkommens von Frauen am gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt lag in der DDR Ende der 1980er Jahre bei 41%, während er in der Bundesrepublik nur 18% ausmachte. Dabei stellten Frauen in der Industrie etwa 40%, in den Dienstleistungsbereichen dagegen über 70% aller Erwerbstätigen. Vgl.: Sibylle Meyer/ Eva Schulze: Familie im Umbruch. Zur Lage der Familien in der ehemaligen DDR, Stuttgart 1992, Studie im Auftrag des Bundesministerium für Familie und Senioren, S. 28.

(8) Vgl.: „Lebenserwartung und Geschlechterungleichheit auf dem Arbeitsmarkt in Europa" (Abbildung unten).

(9) Vgl.: „Beschäftigungsquoten in Europa" (Abbildung) in: http://www.i-daf.org/445-0-Wochen-4-5-2012.html; sowie „Beschäftigung, Wochenarbeitszeiten und die Dauer des Arbeitslebens in Europa 2010", in: http://www.i-daf.org/448-0-Wochen-6-7-2012.html.

(11) Vgl. „Frauen-Arbeitszeiten und Lebenserwartung"  (Abbildung unten).

(12) Bezeichnenderweise korreliert das Gender Gap in der Erwerbsbeteiligung im statistischen Vergleich europäischer Ländern positiv mit der Lebenserwartung. Arbeitsmarktungleichheit zwischen Männern und Frauen kann also wohl kaum als Symptom sozio-ökonomischer Rückständigkeit gelten. Siehe hierzu: „Gender Gap und Lebenserwartung in Europa" (Abbildung unten).

(13) Konkret fordert der Bericht Witwenrenten, die Mitversicherung nichterwerbstätiger Ehefrauen in der gesetzlichen Krankenversicherung und sogar geringfügige Beschäftigungsverhältnisse abzuschaffen. Vgl. 1. Gleichstellungsbericht, a.a.O., S. 80-81. Praktisch laufen diese Vorschläge auf eine drastisch erhöhe Steuer- und Abgabenlast für die große Mehrheit der nicht dem egalitären Ideal entsprechenden Familien hinaus. Näheres zu den absehbaren Folgen angedachter „Reformen" des Ehegattensplittings für Familien: http://www.erziehungstrends.de/node/545.

 

Abbildungen:

 

 

 

 

 

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