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Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.
 

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Nachricht der Woche 29 - 2008

 

Mittelschicht – Stagnation der Einkommen seit den 90er Jahren 

In der Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage hat sich die Kluft zwischen der Oberschicht und der Mehrheit der Bevölkerung im letzten Jahrzehnt deutlich vergrößert. Nicht nur Bezieher niedriger Einkommen, sondern auch Angehörige der Mittelschichten sind mittlerweile wesentlich unzufriedener mit ihren materiellen Lebensverhältnissen als noch vor wenigen Jahren. Der Wirtschaftsaufschwung der Jahre 2005 bis 2007 hat diese Skepsis nicht verringert. Die große Mehrheit der Bevölkerung kommt zu dem Schluss, dass dieser Aufschwung an ihr vorbei gegangen ist (1).

Begründet ist diese Unzufriedenheit in der längerfristigen Einkommensentwicklung. Die Stagnation der Einkommen entspricht einem langfristigen Trend. Denn seit 1991 sind die real verfügbaren Einkommen insgesamt nur um acht Prozent gewachsen. Dieses Wachstum ist praktisch ausschließlich auf die Jahre 1998 bis 2001 zurückzuführen. Nicht nur seit 2001, sondern auch in den Jahren 1991 bis 1997 hat das verfügbare Einkommen der Haushalte stagniert (2). Dass um die Jahrtausendwende ein gewisser Einkommenszuwachs zu verzeichnen war, dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Regierung Schröder in ihrer ersten Legislaturperiode das Kindergeld für das erste und zweite Kind erhöht und die Einkommenssteuersätze gesenkt hat.

Der – ohnehin bescheidene – Anstieg der Einkommen um 8 Prozent verteilt sich zwischen verschiedenen Gruppen außerdem sehr ungleichmäßig. So sind nach Berechnungen von Forschern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung die Einkünfte von Rentnern in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten um gut zwölf Prozent gestiegen. Noch stärker gestiegen sind die Bezüge von Pensionären, die von allen Bevölkerungsgruppen die günstigste Einkommensentwicklung aufweisen (3). Auch hochqualifizierte Beschäftigte, etwa in der Datenverarbeitung oder anderen unternehmensnahen Dienstleistungen, konnten – zumindest bis zum Jahr 2001 –  zum Teil beachtliche Einkommenszuwächse verbuchen. Die Einkommensentwicklung durchschnittlich qualifizierter Beschäftigter verlief dagegen deutlich ungünstiger. Sie stehen durch die Öffnung der Märkte nach 1990 und die fortgeschrittene Globalisierung in einem verschärften Wettbewerb im Blick auf Löhne, Qualifikationen und Flexibilität. Dieser Wettbewerbsdruck hat ihre Chancen auf bedeutendere Lohnzuwächse drastisch verringert. Die insgesamt bescheidenen Einkommenszuwächse und ihre Verteilung lassen darauf schließen, dass erhebliche Teile der Arbeitnehmerschaft seit mindestens 15-20 Jahren kaum noch nennenswerte Wohlstandszuwächse für sich und ihre Familien erwirtschaften konnten. Leidtragende dieser Entwicklung sind insbesondere Familien aus der Mittelschicht.

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(1) Vgl.: Renate Köcher: Das Bewusstsein der Mittelschicht. Die ausschlaggebende gesellschaftliche Gruppe wird kleiner, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 15.7.2008, S. 8.

(2) Vgl. Norbert Schwarz: Einkommensentwicklung in Deutschland: Konzepte und Ergebnisse der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, S. 197-206, in: Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Wirtschaft und Statistik 3/2008, S. 205.

(3) Vgl.: Michael Sauga: Arbeitnehmer – die wahre Unterschicht, SPIEGEL ONLINE vom 09. Oktober 2007,  http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,509990,00.html.

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