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Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.
 

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Woche 34 - 2008

Demographische Alterung und Gesundheitskosten

Seit Jahrzehnten weisen Wissenschaftler auf die Mehrbelastungen für die sozialen Sicherungssysteme durch die demographische Alterung hin. Im Bereich der Altersvorsorge hat die Politik in den letzten Jahren reagiert: Das Niveau der zukünftig zu erwartenden Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung wurde gesenkt, das durchschnittliche Ruhestandsalter erhöht („Rente mit 67“) und eine ergänzende private Altersvorsorge eingeführt („Riester- Rente“).

Noch gravierender als für die Altersvorsorge sind die Folgen der Alterung für das Gesundheitswesen. Anders als in der gesetzlichen Rentenversicherung lassen sich die Ausgabensteigerungen nicht durch eine Anhebung des Ruhestandsalters begrenzen. Denn mit zunehmendem Alter steigen die Pro- Kopf- Ausgaben für die Gesundheit unausweichlich. Dies liegt nicht nur daran, dass ältere Menschen häufiger erkranken als jüngere, sondern auch daran, dass die Ausgaben am Lebensende, also insbesondere bei der Versorgung der stetig wachsenden Zahl der Hochbetagten, sprunghaft steigen. Der technisch-medizinische Fortschritt bewirkt zudem, dass sich das Altersprofil der Pro- Kopf- Ausgaben zwischen Jung und Alt ständig nach oben verschiebt. Das Verhältnis der Pro-Kopf- Ausgaben zwischen Jung und Alt betrug 1992 noch 1:8. Die Enquete- Kommission „Demographischer Wandel“ des Deutschen Bundestags hat auf Berechnungen des Prognos- Instituts hingewiesen, denen zufolge sich dieses Verhältnis bis 2040 auf über 1:20 verschieben dürfte (1).

Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamts über die (direkten) durch Krankheiten verursachten Kosten bestätigen diese Tendenz. Demnach betragen im Durchschnitt die von über 85-Jährigen für die Behandlung von Krankheiten verursachten Kosten schon heute mehr als das zwölffache der Krankheitskosten von 15-30- Jährigen (2). Insgesamt entfallen 47 Prozent der Krankheitskosten auf die Altersgruppe ab 65 Jahren (3). Fast drei Viertel der Krankheitskosten wird von den über 45- Jährigen verursacht.

Der Anteil der auf die junge Generation entfallenden Krankheitskosten ist vergleichsweise gering: Er beträgt 7,3 Prozent für die Gruppe der 15-30-Jährigen und 6,1 Prozent für Kinder bis 15 Jahre (4). Als Folge des schwindenden Jugendanteils an der Bevölkerung wird er künftig noch unbedeutender werden. Im Blick auf die Bemühungen um „Kostendämpfung“ im Gesundheitswesen bedeutet dies: Das „Sparpotential“ bei den Ausgaben für Kinder und junge Familien ist gering.

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(1) Vgl. Herwig Birg: Perspektiven der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und Europa – Konsequenzen für die sozialen Sicherungssysteme, Unterlagen für den Vortrag bei der Sachverständigenanhörung in Karlsruhe, 4. Juli 2000, S. 23-24, www.herwig-birg.de.

(2) Vgl.: Statistisches Bundesamt: Krankheitskosten 2002,2004 und 2006, Wiesbaden 2008,https://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1022498.

(3) Vgl.: Statistisches Bundesamt: 47% der Krankheitskosten entstehen im Alter, Pressemitteilung Nr. 280 vom 5.8. 2008.

(4) Siehe Abbildung: Gesundheitswesen in Deutschland: Krankheitskosten nach Altersgruppen und Bevölkerungsanteilen.

 

 

 

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